wunderbar Plagwitz – Raum für interdisziplinäre Zukunftsforschung

29.01.2020 — Zusammenarbeit & neues Leben

New Work – nur ein Buzzword oder gibt es wirklich eine neue Arbeitswelt?

Ihr seid Unternehmer? Der Begriff New Work ist auch Euch schon einmal begegnet? Doch was New Work ist, ist Euch noch nicht ganz klar? Los geht’s!

Seit einigen Jahren ist der Begriff New Work auf den sozialen Kanälen, Events und Webseiten zahlreicher Akteure präsent. Was verbindest Du mit ihm? Wenn ich diese Frage Unternehmern stelle, wird häufig jede noch so kleine Veränderung als New Work ‚verkauft‘. Ein jeder

  • Kicker im Büro,
  • Mate im Kühlschrank,
  • eine Duz-Kultur und
  • ‚fancy‘ Tools wie Slack

scheinen der Inbegriff für New Work zu sein. Ist das schon New Work? Es gibt auch Unternehmer, die mir das Gegenteil berichten. Sie können mit diesem Begriff absolut nichts anfangen. Stattdessen erklären sie New Work zu einem albernen Trend von hoch bezahlten Analysten und Erfindung der Marketingabteilungen. Lasst uns einen genaueren Blick auf New Work werfen.

Vom Fließband über das Internet zu New Work

Unumstritten ist, dass sich unsere Arbeitswelt grundlegend verändert. Das passiert nicht zum ersten Mal. Ein gern genommenes Beispiel ist Henry Ford, der mit der Einführung des Fließbandes die Arbeitswelt zu seiner Zeit auf den Kopf gestellt hat. Viele manuelle Prozesse wurden ersetzt. Das sorgte zu Beginn für große Verunsicherung in der Belegschaft. Dann kam der PC und das Internet und viele Unternehmer und Arbeitnehmer verstanden die Welt nicht mehr. Und heute? Das Fließband hat sich als Standard für die Massenproduktion etabliert. PCs, Smartphones und das Internet sind in der heutigen vernetzten Welt nicht mehr wegzudenken. Sie beeinflussen wie wir leben und arbeiten sogar erheblich. Also, New Work, im Sinne von ‚Neuem Arbeiten‘, ist doch gar nicht so neu, oder doch?

Digitalisierung wirft den Menschen auf sein Menschsein zurück

Geprägt wird der Begriff New Work durch Frithjof Bergmann in den 1970er Jahren mit der Idee, das zu machen, was Du wirklich willst. Eine jüngere Erklärung der Zukunftsinstitut GmbH aus Frankfurt am Main bringt es für mich auf den Punkt. Das Unternehmen befasst sich mit Trend- und Zukunftsforschung. Dabei bringt es weitere Megatrends und New Work in einen Zusammenhang. Eine tolle Möglichkeit New Work in einem ganzheitlichen Kontext zu betrachten.

„New Work beschreibt einen epochalen Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt (…). Es gilt Abschied zu nehmen von der rationalen Leistungsgesellschaft. New Work stellt die Potenzialentfaltung eines jeden einzelnen Menschen in den Mittelpunkt. Denn Arbeit steht im Dienst des Menschen: Wir arbeiten nicht mehr, um zu leben, und wir leben nicht mehr, um zu arbeiten. In Zukunft geht es um die gelungene Symbiose von Leben und Arbeiten.“

Ein Aufopfern für den Arbeitgeber ist für die Gen Z keine Option

Neben den technologischen Neuerungen, weiteren Megatrends wie Globalisierung, Konnektivität und Mobilität prägt auch jede neue Generation die Arbeitswelt. Lange Zeit wurde darüber philosophiert wie man Arbeit und Privatleben in Einklang bringen kann. Von Work-Life-Balance war die Rede.

  • Daraus entwickelte sich insbesondere bei der Generation Y (geboren ca. 1980 – 1996) der Wunsch nach Work-Life-Integration – auch Work-Life-Blending genannt. Hierbei verschwimmen die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben. Es gibt keine klare Trennung mehr. Doch auch diese Entwicklung ist nicht beständig.
  • Die Generation Z (geboren ca. 1997 – 2010) betritt nun langsam den Arbeitsmarkt. Sie legt ihren Fokus wieder verstärkt auf die Familie, persönliche Freiheit, Selbstverwirklichung und letztlich Spaß am Leben.
  • Ein Aufopfern für den Arbeitgeber, wie es noch die Generation X (geboren ca. 1965 – 1979) macht, ist für sie keine Option.
  • Ergänzend zu der Auffassung von der Zukunftsinstitut GmbH interessiert sich die Gen Z verstärkt am Gemeinwohl und vertritt dabei soziale Gleichberechtigung.
  • Traditionelle deutsche Tugenden wie Fleiß und Disziplin werden ihr jedoch weniger zugeschrieben.

Der Generationenforscher Rüdiger Maas hat zur Gen Z ein spannendes Interview gegeben, das ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Verschiedene Fähigkeiten und Lebensmodelle bereichern

Letztlich gilt: Jeder Mensch ist ein Individuum mit eigenen Bedürfnissen. Es wird auch zukünftig Menschen geben, für die eine 50h- oder 60h-Woche ok ist. Sie möchten ihren Karrierewunsch damit beflügeln oder empfinden an ihrer Arbeit einfach eine Menge Freude und einen tieferen Sinn. Doch auch die Arbeitnehmer mit dem Wunsch nach mehr Zeit für Familie, Freizeit und Ruhe wollen gehört werden. Es ist Aufgabe der Führungskräfte und der Organisation, die Menschen entsprechend ihrer Fähigkeiten und Lebensmodelle bestmöglich im Unternehmen zu integrieren und zu befähigen. Dies verlangt jedoch etwas Zeit, Offenheit für neue Wege und Empathie. Unternehmer profitieren im Gegenzug von produktiven, gesunden und zufriedenen Mitarbeitern.

Flexibel und modern – neue Arbeitsmodelle halten Einzug in den Unternehmensalltag. Die Nutzung von Home Office-Arbeitsplätzen und Co-Working Spaces steigt.

Neue Tools, Büroausstattung, und dann?

Einhergehend mit den unterschiedlichen Werten der Generationen X, Y und Z und den neuen technologischen Möglichkeiten erfordert es neben Konsequenz auch großes Fingerspitzengefühl und Geduld bei der Umsetzung von New Work. Ich erlebe in meinen Gesprächen leider sehr oft, dass Unternehmen mit der Einführung neuer Tools glauben bereits New Work zu leben. Auch der neue Kicker allein führt zu keinem neuen Miteinander, wenn Kollegen dich beim Spielen argwöhnisch anschauen. New Work wird erst lebendig, wenn Unternehmen beginnen diesen Gedanken ganzheitlich zu betrachten. Es braucht neben neuen Tools auch neue Arbeitszeitmodelle, flexible Büroausstattung mit kreativen Arbeits- aber auch Ruhebereichen. Um einen neuen Führungsstil und organisatorische Veränderungen kommt dabei kein Unternehmer umhin.

Kein New Work ohne kulturellen Wandel

Ein weiterer wesentlicher Aspekt für eine ganzheitliche Einführung von New Work ist der kulturelle Wandel. Dieser stellt aus meiner Erfahrung zugleich eine der größten Herausforderungen dar. Trotz allem wird er am wenigsten von Unternehmen bei der Planung berücksichtigt. Daher stellt sich oftmals nach kurzer Zeit eine Ernüchterung bei Unternehmern ein. Das eingeführte Tool wird dann durch ein neues ersetzt oder es wird zu den alten Arbeitsmitteln zurückgekehrt. Der dabei entstehende Frust der Belegschaft sowie die finanziellen Verluste lassen sich vermeiden. Ein ganzheitliches Konzept, Mut zur Veränderung trotz all ihrer Herausforderungen und dem Bewusstsein, dass New Work aus zahlreichen Facetten besteht, unterstützen die Veränderung.

Es gibt zahlreiche Publikationen zu neuen modernen Unternehmenskulturen. Heruntergebrochen münden diese in den folgenden wesentlichen Sachverhalten:

  • Vertrauen statt Kontrolle: Unternehmen legitimieren Mitarbeiter, Entscheidungen in einem gewissen Rahmen selbst treffen und die Verantwortung dafür übernehmen zu können. Die Tätigkeiten werden nicht kontrolliert.
  • Fehler machen dürfen: „Fehler sind menschlich“ –niemand ist frei von Fehlern. Eine offener Umgang mit ihnen ist essenziell für die Zufriedenheit der Mitarbeiter, Innovationskraft des Unternehmens und letztlich des wirtschaftlichen Erfolges.
  • Kooperation statt Konkurrenz: Intern wie extern gilt: Gemeinsam sind wir stark. Wissen darf nicht in Silos gespeichert werden, sondern muss offen geteilt werden. Selbst mit Wettbewerbern kann eine Kooperation in einzelnen Geschäftsfeldern sinnig sein, um sich im Markt behaupten zu können.
  • Work-Life-?: Egal ob Work-Life-Balance oder –Integration, ein gesunder Mix zwischen Arbeit und Freizeit ist elementar. Als Arbeitgeber erhöhst Du dabei deine Attraktivität. Mitarbeiter erhalten die Chance neue Kraft zu tanken, Kreativität zu entfalten und Elan zu entwickeln.
  • Verantwortung statt Gewinnmaximierung: Gesellschaft und Mitarbeiter fordern von ihrem Unternehmen sich stärker ökologisch und sozial dem Gemeinwohl zu widmen. Jeder Einzelne soll Verantwortung für sein Handeln übernehmen und dieses nachhaltig gestalten.
Kooperation statt Konkurrenz – ein wesentlicher Faktor von New Work

Sicherlich lassen sich diese Sachverhalte noch beliebig ergänzen. Sie zeigen aber bereits einen deutlichen Trend zu einem sozialeren Miteinander und das erfordert häufig einen massiven kulturellen Wandel.

Veränderungs- und Lernbereitschaft als Erfolgsfaktor

Mit jeder neuen Errungenschaft, Innovation und Generation hat sich die (Arbeits)Welt verändert. Es entsteht heute jedoch der Eindruck, dass auf Grund der immer kürzer werdenden Innovationszyklen auch die Veränderungs- und Lernbereitschaft der Menschen zunehmen muss. Muss sie?! Oder werden die Menschen auf Grund des hohen Tempos irgendwann resignieren? Ich weiß es nicht. Bisher haben wir Menschen uns an alle neuen Gegebenheiten anpassen können. Das stimmt mich zuversichtlich. Doch eines steht fest: New Work begegnet uns heute in Unternehmen in unterschiedlichen Ausprägungen. Es ist dabei so viel mehr als nur ein Buzzword. New Work umfasst das Unternehmen ganzheitlich und weist dem Menschen (wieder) eine bedeutende Rolle zu.

Veränderungen des Arbeitsplatzes wird es auch zukünftig geben. Ich möchte Euch daher motivieren, nicht Spielball dieser Veränderungen zu werden sondern diese aktiv zu gestalten und zu Eurem Vorteil zu nutzen. Um neue Arbeitsweisen tatsächlich leben zu können, bedarf es der passenden Unternehmenskultur, -organisation, Werkzeugen, Arbeitsmodellen und Räumen. Und ja, ein Kicker und Mate können den Arbeitsalltag etwas angenehmer gestalten, sind aber noch kein New Work.

New Work aktiv mitgestalten

An New Work führt zukünftig kein Weg vorbei. Ihr interessiert Euch für das facettenreiche Thema und möchtet Euch mit anderen dazu austauschen? Dann seid Ihr in wunderbar richtig. New Work ist ein Thema, das die wachsende wunderbar-Community bestehend aus Entscheidern, Vordenkern und Kreativen tagtäglich beschäftigt. Auch Ihr seid herzlich willkommen!


Über den Autor

Nico Kühn

Nico Kühn

Nico Kühn ist studierter Betriebswirt und bei Atos als DesignThinking Moderator und Channel Account Manager in der Division UCC (Unify) tätig. In seiner Rolle bei Unify unterstützt er ITK-Lösungsanbieter passende Konzepte für den digitalen Arbeitsplatz zu erstellen, die anschließend bei Unternehmenskunden zum Einsatz kommen. Nico ist spezialisiert auf den Bereich Virtuelle Teamarbeit und Experte für die Collaborations-Lösung Circuit by Unify.

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